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Lektionen vom Tanzparkett

Vor ca. 3 Jahren habe ich begonnen, Tanzunterricht zu nehmen. Swing-Musik mochte ich schon immer, so entschied ich mich für Lindy Hop. Diese Entscheidung bzw. der Weg zur Entscheidung hat mich mit einigen Ängsten konfrontiert: Kann ich ohne Tanzpartner überhaupt einen Kurs machen? Wer wird mit mir tanzen?

Ich hatte das Glück, in einer wunderbaren Community zu landen, die mit viel Freude und Herzblut Kurse und Veranstaltungen organisiert. (Danke, liebe Lindy Cats! Ich hoffe, wir sehen uns wieder.) Diesem „Club“ beizutreten hat mich mehr gelehrt als nur zu tanzen. Hier ein Auszug:

Zur Verbindung gehören zwei
Früher, wenn ich zu jemandem „keinen Draht“ finden konnte (sei es emotional, körperlich oder einfach im Gespräch), es läge an mir. Entweder sah ich mich als zu intolerant oder zu wenig bemüht, oder was auch immer sich mein kreativer Geist gerade ausdachte. Was das mit Lindy Hop zu tun hat? Mit dem/der einen PartnerIn funktioniert die neue Figur oder der neue Move sofort perfekt und 30 Sekunden später mit einem/einer anderen PartnerIn klappt es überhaupt nicht. Durch diese unmittelbare Erfahrung im Tanz mit wechselnden PartnerInnen konnte ich das automatisierte Muster in mir erkennen – und dadurch auch verändern. Diese Erkenntnis nahm eine große Last von meinen Schultern (im wahrsten Sinne des Wortes..).

Kommunikation ist der Schlüssel
Okay, das wusste ich auch vorher – konnte es aber durch die Tanzkurse wirklich vertiefen. Mit manchen PartnerInnen konnte ich mich sofort über unser gemeinsames Tanzen unterhalten, z.B. „Ich weiß nicht, was du mir mit diesem Bewegunssignal sagen möchtest, könntest du bitte deutlicher werden?“ und auch Feedback bekommen „Wenn du deinen Frame stabiler machst, kannst du mein Signal besser verstehen und es wird müheloser für mich, dich zu führen.“ Das war nicht immer einfach (siehe nächster Punkt), aber sehr, sehr hilfreich. Diese Art von offener Kommunikation war nicht mit allen PartnerInnen möglich. Manchmal kam die Botschaft einfach nicht an (auf beiden Seiten) – interessanterweise machte dann auch der Tanz selten Spaß.

Es ist okay zu Scheitern
Mein innerer Kritiker ist sehr stark. Und auch sehr subtil. Manchmal ist die „kritische Stimme“ gar keine Stimme, sondern einfach eine Blockade. Feedback zu bekommen (auch, wenn es freundlich und konstruktiv war), löste früher eine Spirale an negativem und kritischem Denken in mir aus – was häufig dazu führte, dass ich aufgab, wozu auch immer ich die Kritik bekommen hatte. Dieses Mal nicht. Vor allem in den ersten Monaten konnte ich die Anspannung fühlen, die aufkam, sobald jemand Feedback äußerte. Mein großes Glück war, dass einige meiner TanzpartnerInnen diese fühlen konnten (Vorteil der unmittelbaren körperlichen Nähe!) und die mir auch sagten „Hey, es ist doch ok, du musst es ja nicht perfekt können.“ Dadurch konnte ich mich wieder entspannen und weiterlernen. Diese Menschen wissen vermutlich garnicht, was mir diese Worte in diesem Moment bedeuteten.

Grenzen setzen
Die Atmosphäre in der Lindy Hop Community, der ich angehörte, war sehr frei. Es gab keine vorgegebenen Geschlechterrollen – weder was das Führen/Geführt werden betrifft, noch die Aufforderungen zum Tanz. Ich selbst bin eher schüchtern und das Auffordern von potentiellen TanzpartnerInnen kostete mich Überwindung – es machte aber auch Spaß! Noch wichtiger war allerdings: Es ist okay, nein zu sagen. Ich muss nicht erklären, warum ich mit Person A jetzt nicht tanzen möchte und mit Person B ein paar Minuten später schon. Das machte mir weitere tief sitzende Muster bewusst und gab mir die Gelegenheit, sie aufzulösen.

Dieser sichere Rahmen der Tanz-Community war ein so nährender Boden für meine persönliche Weiterentwicklung – ganz unerwartet und auf eine sehr spielerische Art und Weise. Auch, wenn ich gerade weit weg von dieser Community lebe, die Effekte spüre ich auch jetzt noch.

Und, noch wichtiger:

Ich möchte in meinen Yogaklassen, meinen Workshops und Beratungen anderen diesen sicheren Raum bieten, in denen sie sich spielerisch ausprobieren können, was passiert, wenn Muster sich lösen.

Spielraum gefällig? Melde dich, ich freue mich, dich zu begleiten!

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